Die Geschichte der Freimaurerloge Luginsland im Orient Nürnberg von 1933 - 1945

„Da die Logenmeister naturgemäß als besondere Gegner des Nationalsozialismus galten, wurde bei mir - wie bei den früheren Meistern vom Stuhl Bruder Dönneweg und Bruder Dr. Maximilian Meyer – Haussuchung nach freimaurerischer Literatur und verbotenen Schriften gehalten. Mein Fernsprecher und meine Post wurden überwacht und ich selbst bei meiner Behörde zurückgesetzt und wie ein Aussätziger behandelt, nachdem ich im „Stürmer“ öffentlich gebrandmarkt worden war. Wiederholt wurde ich polizeilich einvernommen. Meine Brüder, man muß das nur mitgemacht haben, um fühlen zu können, welche seelische Qualen auch dadurch verursacht wurden, daß ich bei der Reichsbahn von einem Vertrauensposten zurückgezogen, nicht mehr befördert, im Gegenteil bald auf Ruhegehalt gesetzt wurde.“

 

Bruders Keilholz' Bericht als Einstieg in die sogenannte „Dunkle Zeit“. Sie lässt sich aus zwei Gründen so bezeichnen: Einerseits war die Logenarbeit ausgesetzt, andererseits, wurde eine Ideologie zur Religion erhoben, der sich das Recht mit seinen Rassegesetzen unterordnete.

Seit 1933 bis 1935 nahmen die Repressalien gegen die Freimaurerei zu. Bis zum Kriegsende 1945 blieb die Freimaurerei politisch verfolgt. Die Loge Luginsland löste sich bereits 1933 offiziell auf. Andere Logen des Freimauerordens versuchten sich bis 1935 mit dem System zu arrangieren und sich als christlichen Orden zu tarnen. Die Brüder der Luginsland trafen sich trotzdem regelmäßig im Café Kerzinger oder im Wartesaal des Nürnberger Hauptbahnhofs. Immer an wechselnden Tischen und mit unterschiedlichen Gästen, damit niemand Verdacht erweckte. Der Kern der Loge bestand aus den Brüdern Bartsch, Dönneweg, Frank, Heerdegen, Heinsen, Keilholz, Ortmann und einigen anderen. Sie blieben unentdeckt.

            Café Kerzinger 1937

Am 18. Juli 1934, kurz nach der Machtergreifung, beschlagnahmte die Politische Polizei München das Nürnberger Logenhaus. Inklusive dem gesamten Vermögen der Logen. Es sollte dem Reichsführer SS Himmler vorgelegt werden. 1937 entstanden Bestrebungen, aus dem leerstehenden Logenhaus ein verschwörungstheoretisches Anti-Freimaurermuseum zu machen, nachdem das Cnopfsche Kinderspital kein Interesse an den Räumlichkeiten zeigte.

In der kurzen Öffnungszeit vom 2. September 1938 bis September 1939, dann nochmal vom 1. Juni 1940 bis zum 15. Februar 1942 waren die Besucherzahlen niedrig. In der ersten Öffnungsperiode kamen  59000 Besucher, davon 43570 allein während der Reichsparteitage 1938. Zur zweiten Öffnungsperiode gibt es keine gesicherten Besucherzahlen, jedoch den Vermerk, dass die Besucherzahlenerwartungen nicht erreicht wurden. Nur Betriebsgesellschaften und die Wehrmacht zeigten lebhaftes Interesse am Museum. Ab Mitte 1942 entstand im ehemaligen Logenhaus ein Lazarett.

(U.P.)