Die Geschichte der Freimaurerloge Luginsland im Orient Nürnberg von 1945 - 1978

Nachdem der Kern unserer Brüder unentdeckt die NS-Zeit überstanden hatte, befassten sie sich nach Kriegsende mit dem Wiederaufbau der Loge. Als Geheimorganisation blieb die Freimaurerei bis Dezember 1946 in Bayern verboten. Erst ab Mai 1947 konnten die ersten bayerischen Logen wieder ihre Arbeit aufnehmen, nachdem das bayerische Innenministerium ein Richtlinienpaket zur Gründung von Logen herausgegeben hatte. Dieses erlaubte nur im Rahmen der sogenannten Entnazifizierung als „Nichtbetroffene“ und „Mitläufer“ eingestuften Brüdern die Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge. Luginsland wurde zur Last gelegt, dass sie sich, als zum Freimaurerorden gehörig, zwischen 1933 bis 1935 als christlicher Orden zu tarnen versucht hatte. Faktisch war Luginsland von diesem taktischen Versuch der christlichen Maurerei nicht betroffen – sie hatte sich bereits 1933 aufgelöst. So trafen sich die Brüder erstmals feierlich am 12. Juli 1947 und ein zweites Mal am 11. Oktober 1947 in der Ratstrinkstube am Obstmarkt. Ab dem 23. März 1948 bis zum 1. Juli 1948 versammelten sie sich regelmäßig freitags im Clubzimmer des „Siegwartbräu“ in der Fürtherstraße 88. Zwei Wochen vorher, am 15. Juni, erhielt die Luginsland die Lizenz der Zulassung als Loge, während sie bis dahin als Kränzchen gearbeitet hatte.

Als am 14. Juni 1949 alle Brüder des Bundesgebiets nach Frankfurt geladen wurden, und Bruder Theodor Vogel zum Großmeister der gerade erst eingesetzten Großloge V.G.L.F.v.D. wählten, wodurch diverse Großlogen erstmals in einem neuen Dachverband vereinigt wurden, reiste auch Bruder Carl Fritz der Luginsland dorthin und entzündete mit eine Kerze am Altar der Paulskirche. Luginslands damalige Besonderheit: Während die Bauhütte kontinuierlich nach schwedischem Ritual arbeitete, gehörte sie organisatorisch seit der Wiedergründung nach Kriegsende der neu entstandenen Großloge A.F.u.A.M.F.v.D. und damit der humanitären Lehrart an.

Die Brüder waren darauf bedacht, den Zweck der Maurerei klar herauszustellen: Humanität ist der Grundstein. Alle Männer sind Freimaurern willkommen, sofern sie sich zu humanitärem Denken bekennen.

Care-Pakete, die von amerikanischen Brüdern gesendet wurden, linderten Hunger und Armut und prägten das Zeitgefühl. Im Jahr 1933 beschlagnahmte Logengegenstände wurden dank der Bemühungen des Bruders Keilholz wieder an Luginsland zurückgeführt.

Da das Nürnberger Logenhaus in der Hallerwiese kriegsbeschädigt war, versammelten sich die Brüder der Luginsland in wechselnden Hotel- und Gaststubenhinterzimmern: Im „Deutschen Hof“, im „Nürnberger Hof“, im „Krokodil“ und im Tucherbräustübl.

Vom 12. November 1949 bis 30. Juni 1950 schloss sich Luginsland einem Mietverband an, den die Nürnberger Loge „Zur Wahrheit“ ins Leben gerufen hatte. Vorübergehend wurden dabei für beide Logen in der Virchowstraße 22 Logenräume eingerichtet. Folgende Tempelarbeiten fanden statt:

 

1948: Wiedereröffnungsfestloge mit kleinem Brudermahl im Logenhaus Erlangen

1949: Je eine TA I und TA III

 

Im Jahr 1949 gründeten Luginsland-Brüder die Nürnberger Loge „Lynkeus der Türmer“. Sie wollten nicht nur nach schwedischem Ritual arbeiten, sondern auch zum Freimaurerorden, den es in Bayern wieder gab, zurückkehren. Weitere sieben Brüder gründeten 1952 die Freimaurerordens-Loge „Zur Gralsburg“.

Ab 1950/51 erhöhte sich die Anzahl der Tempelarbeiten:

 

1950/51: 4 TA I, 2 TA II 

1951/52: 9 TA I, 2 TA II, 2 TA III

 

Große Vortragsabende bereicherten zu dieser Zeit das Logenleben. Z. B. ein Vortrags- und Musikabend im „Reichshof“ am 7. Januar 1950, an dem sich drei Nürnberger Logen beteiligten, sowie ein Kammermusikabend der Luginsland im Fürther Logenhaus.

Die Vorträge der Loge waren vielfältig und zahlreich. Sie thematisierten philosophische, sozialpolitische, historische und freimaurerische Themen. Am 20. April 1952 erfolgte im alten Logenhaus in der Hallerwiese die Lichteinbringung. Bis 1966 diente es allen Nürnberger Brüdern.

Die Freitagslogen Luginsland, Zu den 3 Pfeilen und Joseph zur Einigkeit arbeiteten im Jahr 1953 erstmals gemeinsam. Sie wechselten die Organisationen ihrer Clubabende und Tempelarbeiten im Stil der jeweiligen Loge monatlich. Um die individuellen Brauchtümer der drei verschiedenen Logen zu wahren, kehrten die Brüder jedoch wieder zu getrennten Arbeiten zurück und beschränkten die Freundschaft untereinander auf gegenseitige Besuche.

Damals wie heute fanden Gästeabende statt, an denen sich Suchende und Brüder kennenlernten und Schwestern am Logenleben teilhatten, Vortragsabende auch von Lehrlingen und Gesellen, die teilweise zum erstenmal vor Zuhörern vortragen und so an Erfahrung gewinnen, sowie gemeinsame Weihnachts- und Jahresschlussfeiern.

Am 25. März 1966 wurde die letzte Arbeit in den Räumen des alten Logenhauses durchgeführt. Aufgrund zu starker Kriegsschäden musste es abgerissen werden. Jedoch auf einem Teil des Grundstückes wurde das moderne Logenhaus errichtet. Die Lichteinbringung erfolgte am 20. September 1969. Bis dahin arbeitete Luginsland im Logenhaus Fürth in der Dambacher Straße und im Nürnberger Gesellschaftshaus Museum in der Campestraße.

Drei Brüder, die in dieser Zeit nach schwedischem Ritual aufgenommen wurden, sind nach wie vor aktiv: Die Brüder Peter Heinz, Friedrich Schürer und Arno Zaschke. Die beiden ersteren Altstuhlmeister.

Zu Beginn der 70er Jahre entschied man sich im Rahmen einer Satzungsänderung, nach dem Ritual der Großloge AFAMvD, und nur am Stiftungsfest nach schwedischem Ritual zu arbeiten. Mittlerweile wird das schwedische Ritual nicht mehr bearbeitet. Traditionell liegt heute zu einem Stiftungsfest noch der alte FO-Teppich auf.

(U. P. )

Titelblatt der 1. Ausgabe der damaligen Logenzeitschrift aus Vordigitaler Zeit,  von Juli 1968 

Stuhlmeister:
3. Heinrich Keilholz 1948 – 1950 2 Jahre
4. Dr. Carl Fritz 1950 – 1953 3 Jahre
5. Josef Frank 1953 – 1956 3 Jahre
4. Dr. Carl Fritz 1956 – 1958 2 Jahre
7. Hans Hinterleitner 1958 – 1964 6 Jahre
8. Karl Wiltsch 1964 – 1966 2 Jahre
9. Dr. Fritz Schlagenhaufer 1966 – 1969 3 Jahre
10. Fritz Meyer 1969 – 1972 3 Jahre
11. Heinz Liedke 1972 – 1975 3 Jahre
12. Klaus Kantschik 1975 – 1978 3 Jahre
13. Siegfried Fleischer 1978 – 1981 3 Jahre