Die Geschichte der Freimaurerloge Luginsland im Orient Nürnberg von 1979 - 2012

Bis heute führten 20 Stuhlmeister Luginsland. Jeder von ihnen prägte mit seinen Brüdern engagiert unsere Loge – dafür gebührt ihnen unser herzlichster Dank.  

Im Stuhlmeisteramt
13. Siegfried Fleischer 1978 – 1981 3 Jahre
14. Claus Peter Schnabel 1981 – 1987 6 Jahre
15. Richard Wendler 1987 – 1990 3 Jahre
16. Friedrich Schürer 1990 – 1996 6 Jahre
17. Fritz Stoll 1996 – 1999 3 Jahre
18. Peter Heinz 1999 – 2002 3 Jahre
19. Harry Morales 2002 - 2006 4 Jahre
Peter Heinz April – Juni 2006 als AStM
20. Walter Ross seit Juni 2006 – Mai 2012 6 Jahre
Christian Tröster Mai 2012 - September 2012 als zgMvst
21. Jürgen Barfuß seit September 2012  

 

Darüber hinaus  waren die Brüder Claus Peter Schnabel als Mitglied des Distrikt-Ehrengerichts Bayern-Sachsen und Bruder Walter Ross als Redner der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Freimaurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.) aktiv.

Luginslands höchster Mitgliederstand lag im Jahr 1926 bei 161 Brüdern. 1949 nach Abspaltung und Gründung der Loge Lynkeus der Türmer 50 Brüder. Wir verzeichnen seit 1926 einen stetigen Mitglieder-Rückgang. Im Jahr 2012 besteht die Loge aus 22 Brüdern, während die Mitglieder-Anzahl unserer Großloge A.F.u.A.M.v.D. seit 1980 wuchs (2010: 9281 Brüder).

Am 19. Juni 1949 fand in der Paulskirche zu Frankfurt die feierliche Konstituierung der Vereinigten Großloge der Alten Freien und Angenommenen Mauer von Deutschland statt. Es waren 174 Logen anwesend, denen Ritualfreiheit zugestanden wurde. Für die beteiligte Luginsland als ehemaliges Mitglied der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLL FvD oder GLL) bedeutete dies den Wechsel von einer christlichen zur humanitären Lehrart.

Zunächst verwendeten die Brüder bei ihren Tempelarbeiten weiter das „Schwedische Ritual“ der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland. Sichtbare Kennzeichen waren damals  beispielsweise Degen und schwarze Umhänge der hammerführenden Brüder bei Tempelarbeiten.

Das schwedische System in der deutschen Variante wurde von Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf, seinerzeit Generalmedikus der preußischen Armee, 1770 gegründet. Es beruht auf den Akten von Carl Friedrich Eckleff, die Basis des Hochgrad-Systems der Freimaurer-Orden, einem christlich orientierten Zweig der Freimaurerei. Die Ordenslehre betont den Charakter eines christlichen Ritterordens und gründet sich auf die Lehre Christi der Heiligen Schrift. Das „schwedische Ritual“ stellt ein in sich geschlossenes System mit 10 Graden dar.

Als die geistige Verbundenheit unsere Brüder zum „Schwedischen Ritual“ verblasste, beschlossen sie in der Amtszeit Br. Heinz Liedtkes 1972 – 1975 die Satzungsänderung vom FO zum neuen AFAM-Ritual in den drei Graden. § 16 der Satzung Luginslands: „Rituelle Arbeiten werden grundsätzlich nach dem Ritual der Großloge A.F.u.A.M.v.D. durchgeführt. Beim Stiftungsfest und auf Beschluss des Beamtenrats bei besonderen Anlässen wird nach dem schwedischen Ritual gearbeitet.“ 

Trotz Satzungsänderung wurde bei Luginsland das „Schwedische Ritual“ immer seltener verwendet.

Das 75. Stiftungsfest der Luginsland im Mai 1987 unter dem MvSt  Peter Schnabel blieb den Beteiligten in lebhafter Erinnerung. Folgendes Programm:

 

Freitag, den 8. Mai 1987, 19:00 Uhr 

1.Stehempfang und Begrüßung der Teilnehmer

2.Festliche Veranstaltung im Tempel mit Begrüßung und 

  Ansprache des Meisters vom Stuhl

3.Festvortrag von Br. G. Budenheim 

  „Ist Freimauerei in unserer heutigen Gesellschaft noch notwendig? 

4.Spendenübergabe an den Verwaltungsleiter Meußer der 

  Cnopfschen Kinderklinik (6.600 DM)

5.Gemütliches Beisammensein in der Gaststätte des Logenhauses

 

Samstag, 9. Mai 1987, 10:30 Uhr 

6.TA1 mit Festzeichnung von Br. Hans Hinterleitner

7.Tafelloge

8.Parallel zur TA1 eine Stadtführung als Damenprogramm

 

Aus der Festzeichnung unseres Bruders Hans Hinterleitners zur Namensgebung Luginslands:

 

 „ … welche der mancherlei Sinndeutungen des Wortes Luginsland hat seinerzeit wohl unseren Gründern vorgeschwebt? Wir wissen es nicht. Doch freuen wir uns, daß es drei Deutungen gibt, die diesem Namen Sinn und Ehre geben! 

Erstens: Ganz wortwörtlich jener mächtige 47 Meter hohe Turm dieses Namens. Der mit seinen vier Ecken zur Ausschau das Stadtbild mit beherrscht. Die stolze Reichstadt treibt ihn auf ihrem eigenen Burganteil in die Höhe, um nicht nur ins Land lugen, sondern vor allem auch ihrem Nachbarn, dem Burggrafen, von oben her in den Hof beim fünfeckigen Turm schauen zu können, ob er schon wieder rüstete. So half der Luginsland auf seine Weise dazu, dem Burgvogt seinen Sitz über der aufsässigen Reichsstadt zu verleiden, bis er sich ganz nach Cadolzburg verzog. 

Zweitens: Der Turm entstand im selben Jahre 1377, in dem die Bauhütte von St. Sebald hier den ersten großen Chor mit den drei gleich hohen Hallen wölbte, als Ausdruck des allgemeinen Priestertums und der Bürgerherrlichkeit; ein überzeitlicher Raum, in dem wir uns auch alle großen Nürnberger der Vergangenheit mit größerer Gewissheit vorzustellen haben, als in dem legendären Bratwurstglöcklein. 

Dann ist ja so ein überragender Turm an sich schon ein vielfaches Sinnbild allen Strebens nach oben und der Überschau. So mag den hochgebildeten Stiftern bei der Wahl dieses Namens auch „Lynkeus, der Türmer“ aus Goethes „Faust II“ vorgeschwebt haben mit den Worten:

„Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt,

dem Turme geschworen, gefällt mir die Welt.

Ich blick‘ in die Ferne, ich seh in der Näh

den Mond und die Sterne, den Wald und das Reh.

So seh ich in allen die ewige Zier,

und wie mir’s gefallen, gefall‘ ich auch mir.

Ihr glücklichen Augen, was je ihr gesehn,

es sei, wie es wolle, es war doch so schön.“

Zum dritten: Wer weiß schon, dass dieser Turm auch jahrhundertelang das Gefängnis war für innerliche Christen, die sich aus Gewissensgründen dem Kirchenzwang nicht fügen konnten. Und das ging so zu. Da es die schon 1523 reformierte Reichsstadt ja nicht mit dem katholischen Kaiser verderben durfte, hielt sie äußerlich streng auf ihre lutherischen Kirchenregeln, um durch den Augsburger Religionsfrieden 1555 geschützt zu sein. Obwohl nun die weltweiten, regierenden Handelsherren selbst vielfach durchaus nicht innerlich eng waren, hielten sie doch darauf, dass keiner der Untertanen in dem großen Reichstadtgebiet Anlass gab, Nürnberg etwa calvinistischer, zwinglicher oder gar separatistischer Strömungen zu verdächtigen. …“ 

 

Seit 1990 führte sechs Jahre lang Br. Friedrich Schürer, in die Luginsland nach schwedischem Ritual aufgenommen, die Loge in seiner ausgewogenen Art. Am 26.11.1990 wurde eine überarbeitete Satzung eingeführt. Wir feierten mit ihm in tiefer Verbundenheit am 6. Mai 2010 sein 50-Jähriges Freimaurer-Jubiläum.

Im Zeitalter des Internets, in der Stuhlmeisterzeit des offenen und liberalen Fritz Stolls, 1996 - 1999, entstand der erste Internetauftritt der Luginsland.

Ein weiterer Höhepunkt war das Nürnberger Friedensfest am 25. September 1999. Es bezieht sich auf die Beendigung des 30-jährigen Krieges. Luginsland beteiligte sich. Ihre Mitglieder führten zusätzlich eine Tempelarbeit durch. 

2001, in der Stuhlmeisterzeit von Br. Peter Heinz,  beklagten  unsere  Brüder einen großen Verlust. Bruder Hans Hinterleitner – geb. 1917, von Beruf Steuerberater – verstarb am 6. 1. 2001. „Er legte“, freimauerisch gesprochen, „seine irdischen Werkzeuge aus den Händen und ging uns in den ewigen Osten voraus“.

Br. Peter Schnabel sprach den Nachruf: „Br. Hans Hinterleitner war über 50 Jahre Mitglied in der Bruderschaft der blauen (Anm. Jürgen Barfuß: Luginsland) und roten Loge. Zahlreiche Ämter hat er sorgfältig, fleißig und talentiert ausgeübt. 6 Jahre war er MvSt der Luginsland und 20 Jahre in der Großloge tätig. Er hat sich um die deutsche Freimaurerei verdient gemacht. Du warst überhaupt ein Br., der treu und loyal zu uns stand. Jederzeit hattest du ein offenes Ohr für jeden von uns. Du konntest zuhören. …“.

Bruder Peter Heinz führte als MvSt den Gedanken des Logen-übergreifenden Arbeitens in seiner Stuhlmeisterzeit  unter großem persönlichem Einsatz fort. Peter erarbeitete sich tiefe und vielfältige freimaurerische Kenntnisse und bereichert von vielen wertgeschätzt damit noch heute unsere und weitere Logen.

Zum letzten Stuhlmeister der beschriebenen Periode wurde Walter Ross, von der Nürnberger Loge Zu den drei Pfeilen kommend und bekannt für seine ausgefeilten Zeichnungen, gewählt.  Durch ihn und von einem Programm der Großloge (GL AFAMvD) motiviert, wurde die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert. Er organisierte Seminare im Rahmen des Nürnberger Bildungszentrums, die Teilnahme an  den „Stadtverführungen“ oder am „Tag der offenen Tür“ und erreichte damit großen Zuspruch. Getragen vom Trend der Dan Brown-Bücher und Filme über Freimaurer versammelten sich zu einzelnen Veranstaltungen bis zu 1300 Besucher.

Die  Festarbeit zum 100-jährigem Stiftungsfest, so wie die anschließende Tafelloge wurden unter der Hammerführung des zgMvSt,  Br.: Christian Tröster geleitet.

Der amtierende MvSt Jürgen Barfuß wurde im September 2012 ins Amt eingesetzt.

(J.B.)